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BTW 17 und die AfD: Eine Abrechnung

Der Kater nach der Bundestagswahl hält für viele immer noch an. Insbesondere das Abschneiden der Alternative für Deutschland hat viele überrascht und erschüttert. Dabei war es vorhersehbar und keine Überraschung, dass die AfD als klarer Gewinner der Bundestagswahl herausgehen würde. Alle die diesen Sieg kaum fassen konnten, lebten schlichtweg naiv in ihrer eigenen „Bubble“.
Das macht den Fakt, dass wir zum ersten Mal seit 1945 eine rechte und in den meisten Ansätzen auch radikale Partei im Deutschen Bundestag haben, nicht besser. Die deutsche Nachkriegspolitik hat am 24.09.2017 ihre Unschuld verloren und wurde hierbei förmlich vergewaltigt. Radikalität ist kein Tabu mehr und hat eine bundesdeutsche Bühne gefunden. An diesem Paradigmenwechsel wird man sich erst noch gewöhnen müssen. Das starke Ergebnis der AfD lädt daher auch zum Umdenken ein. Zum Umdenken, was den Umgang mit der AfD angeht. Dieser war bislang so destruktiv, dass einen die unumgängliche Frage nach dem „Wie konntet ihr nur so unheimlich dumm und naiv sein?“ durch den Kopf geht. „Wie konntet ihr nur glauben, dass es hilft, die AfD zu bekämpfen, wenn man nur auf Podiumsdiskussionen geht, bei denen die AfD nicht vertreten ist?“

Die Ignoranz, mit der viele etablierten Parteien versucht haben, der AfD zu begegnen, hat diese nur stärker gemacht, denn sie wurde immer wieder in eine für sie gewinnbringende Opferrolle gezogen. Und wenn es dann aber trotzdem dazu kam, dass man mit der AfD in den Diskurs tritt wird vor allem eines thematisiert: Die Flüchtlingspolitik. Weder die Medien noch die etablierten Politiker haben es geschafft die AfD als das darzustellen was sie ist: eine „Einthemenpartei“ wie keine andere. Eine Partei, die nicht mal eine klare Position zum Thema Rente hat, eine Partei die keine Haltung zum Thema Digitalisierung hat und diese auch kein einziges Mal in ihrem Parteiprogramm erwähnt. Eine Partei deren Vorschläge insofern vorhanden dermaßen hirnrissig sind, dass sie die Dackelkrawatte von Herr Gauland beinahe seriös wirken lassen.

Das Fragilste an der Partei ist nicht ihre inhumane Asylpolitik, sondern der Rest ihres politischen Programms. Die AfD bietet Angriffsflächen wie kaum eine andere Partei.

Statt jedoch die AfD als Einthemenpartei zu entlarven, wurde ein Einthemenwahlkampf geführt.

Es ist immer noch unglaublich, dass sich ein 90-minütiges Kanzlerduell zu 60 Minuten nur mit dem Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt. Auch in den Talkshowformaten fragten Frau Will, Frau Maischberger und Herr Plasberg die AfD nur nach Einem: der Asylpolitik. Aber genau bei dieser Frage ist die AfD stark. Nicht weil ihre Lösungen auch nur ansatzweise gut oder realistisch sind, sondern weil sie die Flüchtlinge als Ursache allen möglichen Übels in unserem Lande ausgemacht hat.

Ich würde mir eine Talkshow mit der AfD wünschen, bei der man sie auch nach dem Thema Steuerpolitik, Rente und Digitalisierung fragt. Vielleicht fällt dann einigen Wählern auf, dass sie eine Partei gewählt haben, die gegen eine Erbschaftssteuer ist und die für einen einheitlichen Einkommenssteuersatz sich einsetzt – von der Lidl Kassieren bis zum Manager. Und ein Rentenkonzept existiert bei ihr schlichtweg nicht – und das in einem Land, in dem die Menschen immer älter werden und das von der demographischen Welle und bereits erfasst wurde. Vielleicht fällt dann auch dem letzten Anhänger der AfD auf, dass die Vorschläge und Lösungsansätze der AfD nicht nur inhuman sind, sondern auch nicht real.

Phil Carstensen

Seit Anfang 2017 Chefredakteur von Berthas Echo, 14 Jahre alt und besucht die 10. Klasse unserer Schule.

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