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Warum der Religionsunterricht sich ändern muss

Dante Alighieri war ein italienischer Dichter und Philosoph. Sein wichtigstes Werk war die göttliche Komödie, sie beschreibt Dantes Abstieg durch die zehn Kreise der Hölle bis zum Teufel, beim Teufel angekommen klettert er über dessen Schoß und die Gravitation dreht sich um. So ging Dante folglich nicht mehr ab, sondern den Läuterungsberg hinauf zum Licht, bis er endlich im Paradies ankommt. Das Werk ist aufgeteilt in drei Teile. Inferno, die Hölle, Purgatorio, der Läuterungsberg und Paradiso, das Paradies. Das ganze Werk ist in Reinform geschrieben mit 142033 Fersen, aufgeteilt in 100 sogenannte Gesänge. Die göttliche Komödie ist eines der bedeutendsten Stücke in der Geschichte Italiens und eines der wichtigsten Werke der Weltliteratur. Darüber hinaus hat es gewaltigen Einfluss auf Literatur, Kunst, Musik und Spiele und es hat auch unser Weltbild bis heute geprägt. Nämlich das Bild der Hölle.

Wusstet ihr, dass in der Bibel gar kein klares Bild der Hölle gezeichnet wird und, dass die sieben Todsünden keine verschiedenen zugehörigen Strafen haben?

Und, dass es auch keine brennenden Sündiger in der Hölle gibt, kein Sinn von Tiefe, das alles kommt von Dante. In der Bibel ist die Hölle häufig als ein Zustand, manchmal ein See aus Feuer dargestellt, sie wird nicht genauer beschrieben und stellt vor allem die Abwesenheit von Gott dar. All das hat Dante aus den Köpfen der Allgemeinheit verbannt und genau das hat mich zum Nachdenken angeregt.

Bis ich mich mit Dante aktiv beschäftigt habe, hatte ich überhaupt keine Ahnung, dass unser Bild der Hölle komplett zusammengeflickt und erfunden ist, bzw. so nicht in der Bibel steht. Ich bin kein gläubiger Christ, aber vielen Gläubigen wird es ähnlich gehen.

Unser Bild der Hölle hat genau die gleiche Dynamik, wie der Rot-Weiße Weihnachtsmann: Jeder kennt ihn, jedes Kind liebt ihn, es gibt sogar die Spekulation, dass Coca-Cola ihn erfunden hat. Das stimmt zwar so nur bedingt, aber der Cartoonist Haddon Sundblom hat das Bild vom Rot-Weißen Weihnachtsmann, dass es schon seit dem Ende der 20er in den USA gab, Anfang der 30er Jahre für Coca-Cola vereinheitlicht und durch ihre massiven Werbekampagnen wurde es weltweit bekannt. Wenn die Kreation von Firmen und Dichtern, es nach 100 Jahren, mit gutem Marketing sogar schon nach 50 Jahren es zur Allgemeingültigkeit bringen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass Dinge in der Bibel nur ansatzweise so passiert sind?  In der Forschung wird die Bibel als „Fact-Fiction“ angesehen, die viele ältere Mythen und Sagen mit tatsächlichen Gegebenheiten der damaligen Zeit verbindet und zu einen neuen verdichtete hat.

Das Gilgamesch-Epos ist einer der ältesten Literatursammlungen der Welt und mehre tausend Jahre älter als die Bibel. In ihr ist auch eine Sintflut vorgekommen, die dann im Alten Testament einfach übernommen wurde. Gleichzeitig hat die Geschichte von Adam und Eva einiges mit der Geschichte von Enkidu und Shamhat gemeinsam. Sowohl Enkidu als auch Adam müssen ihr Leben in der Natur mit den Tieren aufgeben, als sich von der Frau zur Zivilisation geführt wurden. Einmal durch das Essen des Apfels vom Baum der Weisheit, einmal durch das Trinken von Bier. In beiden Fällen erklärt irgendein Gott, dass harte Arbeit und Sterblichkeit der Preis für ihr Wissen sind. Noch offensichtlicher werden die Parallelen, wenn man sich anschaut wie das Buch Kohelet der Bibel Stellen aus dem Gilgamesch Epos nahezu wörtlich kopiert. Im Gilgamesch Epos sagt Gilgamesch zum den sterbenden Inkidu „die Menschheit kann ihr Tage zählen, was immer sie erreicht, es ist nur Wind.“ Zum Vergleich, hier die Passage aus dem Buch Kohelet, Kapitel 1 Vers 14: „Ich beobachtete alle Taten, die unter der Sonne getan wurden. Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst:“

Es gibt noch unzählige Beispiele, in denen die Bibel dein Inhalt beinahe 1:1 übernimmt.

Um noch einmal zu verdeutlichen, was das bedeutet hier nochmal eine kleine Analogie:

Wenn Tolkien die Geschichte von Herr der Ringe auf eine Steinplatte geschrieben hätte, gäbe es heute Millionen von Menschen, überall auf der Welt, die glauben, dass es Sauron wirklich gab und der Halbling Frodo die Menschheit zur Erlösung geführt hat, weil ein Wahnsinniger in den Finger gebissen hat und in einen Vulkan ist.

Und wenn die Bibel nun als die „Fact-Ficton“ gesehen wird die sie ist, dann ist sie nichts anderes als die göttliche Komödie. In der Einleitung des Buches „Visions of Heaven & Hell Before Dante“ von Eileen Gardiner, der ehemaligen Direktorin der Mid-Evil Acadmy of America heißt es wie folgt: „the entire body of medieval imaginative literature on the subject of the otherworld. His systematization of the cosmology of the otherworld seems to have ended the speculation of the medieval mind on the topic.” Datens göttliche Komödie wurde von vielen anderen Werken und Sagen seiner Zeit inspiriert und beeinflusst und hat durch seinen systematischen, umfangreichen Aufbau den Höhepunkt geschaffen. Die Parallelen zur Entstehung der Bibel sind unverkennbar.

Die Bibel wurde durch Literatur, Sagen, Mythen und Personen der Zeit beeinflusst und so entstand ein Werk, dass nichts anderes ist, als die Weiterdichtung damaligen Aberglaubens. Sie verbildlicht Ängste und Sehnsüchte tief in uns drinnen.

Daraus ergibt sich auch, wie Religionsunterricht als Freiwillige Alternative zur Philosophie eigentlich aufgebaut sein sollte. Die Bibel sollte als Literatur gesehen werden, die analysiert wird, mit Hinblick auf die Ethik und Moral die sie vermittelt und mit Hinblick auf ihren Einfluss auf die Gesellschaft von heute und damals. Ich halte es für rückschrittlich und konservativ die Inhalte der Bibel zu konsumieren, anstatt sie zu analysieren. Kulturgut wie christliche Werte können weiterhin vermittelt werden, aber auf einer Basis den Kindern von klein auf beibringt, dass man über Moral und Wissen ausgiebig reflektieren muss.

Was denkt ihr, wie waren eure Erfahrungen mit dem Religionsunterricht?  Lasst es mich wissen!

 

 

One Comment

  • malte

    25. April 2018 at 20:15

    ,,die Menschheit kann ihr Tage zählen, was immer sie erreicht, es ist nur Wind,,
    ….auf welcher Tafel und in welcher Fassung ist das zu finden ?

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